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Geschichtliches

Vor ungefähr 100 Jahren ist in England erstmals der Begriff «Trial» im Zusammenhang mit Motorradfahren aufgetaucht. Auf Deutsch übersetzt heisst es „Versuch“. Unerschrockene versuchten (try) mit ihren damaligen Motorrädern unwegsames Gelände zu durchqueren. Jedoch war dies zu jener Zeit wesentlich schwieriger als heute, da die Motorräder viel schwerer gebaut waren. Deshalb beschrieb der Ausdruck „trial» (Versuch) am besten, was die Unerschrockenen eigentlich ausführen wollten. In diesen frühen Jahren hat sich der Trialsport vor allem in Schottland stark entwickelt. Die Leute merkten bald, dass es auch sehr viel Spass macht, wenn man Wetten abschliessen kann, wer die Hindernisse mit den wenigsten Fehlern überwindet. Dabei war das Absetzen von Füssen oder das Anhalten nicht erlaubt.

Die Maschinen wurden immer mehr an die Anforderungen des schwierigen Geländes angepasst. Im Laufe der Entwicklung verfeinerten sich auch die Fahrtechniken. So wurden die Trialfahrer zu grossen Meistern der Balance und Athletik. Sie prägten damit den Motorsport auf zwei Rädern ganz wesentlich.

Trotz der enormen Entwicklung der Trialmotorräder werden die alten Maschinen auch heute noch immer eingesetzt. Für diese Fahrer wurde eine eigene Kategorie «Oldtimer» entwickelt. Voraussetzung dazu ist, dass vorne und hinten Trommelbremsen und hinten zwei Federbeine verbaut sein müssen.

Heute haben die Trialmaschinen anstelle von Trommelbremsen Scheibenbremsen (hinten und vorneund ein zentrales Federbein. Und die heutigen Top-Fahrer sind wahre Artisten, die auch das Publikum im Zirkus mühelos begeistern könnten.

Gerade zu unglaubliche Leistungen vollbringt der mehr als 30-fache Trial-Champion Toni Bou (Indoor und Outdoor). Ihm beim Fahren (Hüpfen auf dem Hinterrad) zuzusehen ist eine reine Augenweide. 

Toni Bou, der Superkönner der Neuzeit
(Siehe nachfolgende Videos)

Location: Pascuet Offroad Center, Spanien

Trial als Sport

Ganz allgemein erklärt ist Trial eine Einzelsportart, wobei mit Trial-Motorrädern Sektionen im Gelände oder in Hallen (Indoor-Trial) zu bewältigen sind.

Einmal im Jahr wird in Susten die Schweizermeisterschaft durchgeführt. Auch lokale Meisterschaften ermöglichen den Trialfahrern, ihr Können unter Beweis zu stellen. Ziel des harten Trainings ist ganz klar am Ende einer solchen Veranstaltung mit möglichst wenig Straf-Fehlerpunkten auf dem Siegertreppchen zu stehen.

Trial ist eine Sportart, die für jedermann geeignet ist. Voraussetzung ist, dass man Spass am Motorrad hat und bereit ist, seine Ängste zu überwinden. Es braucht aber nicht nur Mut sondern auch Kraft, Ausdauer und vor allem Körperbeherrschung. Beim Trialen versucht man mit dem Motorrad über grosse Steine, durch Geröllhalden, Schlamm, steile Gelände , verwurzelte Passagen oder über umgefallene Bäume zu fahren. Dabei wird das Gleichgewicht  und das Körpergefühl geschult. – Eigentlich sieht alles viel einfacher aus, als es tatsächlich ist. Bei Toni Bou sieht alles sehr spielerisch aus aber auch er, der zweifelsohne über ein riesiges Talent verfügt, musste üben, üben, üben und noch mehr üben.

Da das Trial-Motorrad je nach Modell ca. 60 bis knapp 80 kg wiegt, braucht es Kraft in den Armen, Händen, Beinen und auch im Rumpf, um die nötige Körperspannung aufbringen zu können. Ein bisschen Stehvermögen ist natürlich auch von Vorteil.

Trial ist eine sehr komplexe Motor-Sportart, bei der man durch regelmässiges Training Präzision und Timing stetig verbessert, so dass sich mit der Zeit  immer schwierigere Hindernisse scheinbar fast mühelos überwinden lassen. 

 

Kategorien bei Trial-Veranstaltungen

Die Fahrer starten in Kategorien, die ihrem Leistungsniveau entsprechen. Die Kategorien werden durch entsprechende Farben in den abgesteckten Sektionen gekennzeichnet.

Für die jüngsten Fahrer steht die Kategorie Kids 2 zur Verfügung. Nach mehreren Jahren in dieser Kategorie steigen sie in die Kategorie Kids 1 auf. 

Für Erwachsene und fast Erwachsene ist die unterste Kategorie die Kategorie FUN auch bekannt als Kategorie grün. Danach folgt die Kategorie Junior/Senior, welche durch Vimpel in der Farbe rot gekennzeichnet wird.  Die Kategorie Expert ist die zweithöchste Kategorie und Fahrer dieser Kategorie folgen den Kennzeichnungen mit der Farbe weiss. Die stärksten Fahrer, die auch zur Schweizermeisterschaft zugelassen sind, folgen den Kennzeichnungen in gelb. Und schliesslich die Besitzer von Oldtimern, fahren in der Kategorie blau.

 

Strassenkit / Gewichtsoptimierung

Man würde denken, dass ein Trial-Motorrad ein reines nicht strassenzugelassenes Sportgerät ist aber es besteht tatsächlich die Möglichkeit, Trial-Motorräder bei der MFK (Motorfahrzeugkontrolle) für den Strassenverkehr zuzulassen. Ein Strassen-Kit wird bei jedem Neukauf vom Hersteller mitgeliefert. Dieser ist jedoch bei den Trial-Wettbewerben nicht sinnvoll, weil der Strassen-Kit ein höheres Gewicht mit sich bringt. Zudem sind diese Teile (Blinker, Rücklicht, Nummernhalterung etc.) exponiert und gehen bei einem Sturz schnell kaputt. Ein höheres Gewicht wirkt sich natürlich auch nachteilig auf die Agilität des Motorrads aus. Für Wettbewerbe werden deshalb alle nicht notwendigen Teile abgebaut. Es ist nicht verwunderlich, dass auch die Hersteller der Trial-Motorräder extrem auf Leichtbau achten. Bei den Maschinen der Spitzenkönner werden heute viele Titanteile verbaut, was zwar das Gewicht der Maschinen stark verringert (unter 60 kg) aber die Kosten fast ins Unendliche treibt. Diese «vergoldeten» Motorräder werden in aller Regel von den Werksteams finanziert.

Im Übrigen verfügen Trial-Motorräder über keinen Fahrersitz. Es ist 
nur eine „Sitzmulde“ vorhanden. 

Da Trial-Wettbewerbe ausschliesslich auf abgesperrten Strecken stattfinden, benötigt der Fahrer keinen Führerausweis.

Schutzbekleidung

Man sollte die Sicherheit des Fahrers nicht ausser Acht lassen. „Kluge Köpfe schützen sich“, gilt auch beim
Trialfahren. Wer fahren will, sollte seinen Kopf unbedingt mit einem geeigneten Helm schützen. Es gibt spezielle Helme, welche für das Trialfahren entwickelt wurden (Jethelme).

Bei Schweizermeisterschaften ist ein Abrissschalter obligatorisch. Dieser wird an der Lenkstange befestigt und ein Band wird ums Handgelenk gebunden. Sobald der Fahrer bei einem Sturz die Hand vom Lenker reisst, trennt sich der Magnet vom Halter und der Motor
wird sofort abgestellt. Damit wird verhindert, dass der Moto-Trial weiterfährt und die Zuschauer oder andere Mitbewerber verletzt. 

Aufgrund der Verbrennungsgefahr am Auspuff sollte man immer Stiefel und lange Hosen tragen. Zur Verminderung von Schürfungen oder Prellungen Armen und Beinen bei einem Sturz sollten zusätzliche Schoner (Schienbein, Ellenbogen etc.) getragen werden.

Das richtige Motorrad

Jeder Fahrer hat seine eigene Vorliebe zur Marke und Machart  seiner Maschine.  Die beliebtesten Marken sind: Montesa und Beta bei den Viertaktern und Beta und Sherco bei den Zweitaktern. Bei den Oldtimern sind Montesa, Fantic und Ossa häufig anzutreffen. In den letzten Jahren sind einige neue Marken dazu gekommen, welche insbesondere elektrische Motorräder anbieten, so z.B. Mecatecno und EM. Elektro-Trail-Maschinen verfügen über keine Gänge aber über eine Kupplung. In der Regel ist das Handling einer eTrail-Maschine etwas einfacher und aktuelle Modelle sind oftmals leichter als die Konkurrenz mit Verbrennungsmotor. Ein bedeutender Vorteil der elektrischen Variante sind geringe Emissionen (Lärm, CO2).

Trial-Motorräder mit Verbrennungsmotor verfügen in der Regel über 6 Gänge manchmal auch nur 5. Meistens werden die ersten drei, sehr kurz übersetzten Gänge in den Sektionen und die weiteren Gänge für die Zwischenstrecken genutzt. Der Motor ist relativ drehfreudig, so dass eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 100 km/h möglich ist.

Extrem leicht gebaute Trial-Motorräder können fast wie ein Mountainbike gefahren werden. Fahrer unter 18 Jahren dürfen
bei «Rennen» keine Trial-Motorräder mit über 125ccm  Hubraum fahren.

Regeln

Im Trial steht die Maschinenbeherrschung im Vordergrund, in den „Sektionen“ wird dies als sogenannte Sonderprüfung bewertet. Der Fahrer muss mit seinem Motorrad eine Sektion möglichst fehlerfrei durchfahren, dabei spielt die Fahrzeit in der Regel eine untergeordnete Rolle. Bei den Schweizermeisterschaften muss hingegen der Parcours innert 90 Sekunden absolviert werden. Die Sektionen werden von erfahrenen Spezialisten ausgesucht und abgesteckt. Dabei handelt es sich um einen mindestens 1,2 m breiten Kurs durch Gräben, Schlamm, über Wurzeln, Steine , hohe Stufen, und enge Kurven um Bäume oder andere Hindernisse. Der Anfang und das Ende einer Sektion werden mit A und E-Schildern gekennzeichnet. Die Punktewertung kann nur zwischen diesen Schildern durchgeführt werden. Fehlerfrei eine Sektion zu überstehen bedeutet, alle Hindernisse fahrend zu bewältigen. Man darf also nicht stürzen aber auch nicht mit den Füssen den Boden berühren. Dies sind alles Fehler, welche auf einer mitgeführten Punktekarte vermerkt werden. Das Berühren des Bodens mit dem Fuss bedeutet: 1 mal = 1 Strafpunkt, 2 mal = 2 Strafpunkte und mehr als 2 mal = 3 Strafpunkte; absteigen, stürzen, abreissen der Begrenzungen und anlehnen = 5 Strafpunkte. Pro Sektion wird nur der schwerste Fehler angerechnet, also mehr als 5 Punkte kann der Fahrer nicht bekommen. Der Fahrer kann vor Beginn seiner Sektion zu Fuss die Sonderprüfung durchlaufen und sich dabei eine geeignete Fahrspur aussuchen. Er beobachtet seine Konkurrenten bei ihrer Durchfahrt, um mögliche Fehler zu erkennen und bei seiner Fahrt zu vermeiden. Der Fahrer kann eine Sektion auch verweigern. Das kostet ihn aber sogleich 5 Strafpunkte.

Einstufung als Risikosportart

Durch das Stürzen mit dem Trial-Motorrad kann sich der Fahrer leichte bis schwere Verletzungen zufügen. Trial wird als Risikosportart eingestuft, d.h. die Suva (Schweizerische Unfallversicherung) zahlt bei einem Unfall nichts. Um dieses Risiko abzudecken, muss man sich bei einer Privatversicherung versichern. Jeder Fahrer muss bei Meisterschaften eine Fahrlizenz haben. Wer diese nicht besitzt,
kann eine Tageslizenz lösen. Durch diese Lizenz ist der Fahrer während dem Rennen unfallversichert.